Raumeigenschaften

Die Form und Gestaltung des Raumes haben durch das Reflexionsvermögen von Wänden, Fußboden, Decke und Einrichtungsgegenständen einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitung des Lichtes und damit auch auf die Effizienz der Beleuchtung. Daraus ergibt sich, dass Leuchten hinsichtlich ihrer Effizienz in der Anwendung ausgesucht werden sollten.

Direkt strahlende Leuchten werden daher bevorzugt in Industrie, Handel und Handwerk mit meist schlechten
Reflexionsgraden der Decke und Wände eingesetzt und entsprechend EN 12464-1 [48] den Arbeitsbereichen zugeordnet.

Direkt-indirekt strahlende Systeme erfordern hohe Reflexionsgrade der Decke sowie eine begrenzte Raumhöhe, die eine Nutzung des reflektierten Lichtanteils ermöglicht. Direkt-indirekt strahlende Leuchten mit speziellen Optiken für den Direktanteil sind besonders in Büroarbeitsbereichen erwünscht. Hohe Anforderungen an die Begrenzung der Direkt- und Reflexblendung sind dafür ebenso Gründe wie die hohen Behaglichkeitswerte, die Beleuchtungssysteme mit hohen Deckenaufhellungen in Analogie zur natürlichen Beleuchtung durch den Himmel erreichen. Bei direkter Zuordnung der Leuchten zum Arbeitsbereich erreicht diese Beleuchtungsart häufig bessere Energiebedarfswerte als eine Allgemeinbeleuchtung des ganzen Raumes mit direkt strahlenden Leuchten (siehe auch Kapitel 1.4.3.12 „Beleuchtungskonzepte”).

Indirekt, also ausschließlich an die Decke strahlende Systeme benötigen auch bei einem hohen Deckenreflexionsgrad mehr Energie als vergleichsweise direkt strahlende Systeme. Sie sollten nur solchen Fällen vorbehalten sein, bei denen es auf eine starke Deckenaufhellung in Ergänzung zu einer zonalen, direkten Beleuchtung ankommt. Beispiele für den Einsatz vollständig indirekter Beleuchtung sind repräsentative Räume, wie Empfangs- und Schalterhallen, sowie Museen, in denen wenig Schatten und Reflexe auf den Exponaten gewünscht sind. Auch können Flure und Aufenthaltszonen, insbesondere in Räumen des Gesundheitswesens, mit indirekt strahlenden Wandleuchten besonders akzeptabel und blendfrei beleuchtet werden.

Helle Flächen mit hohem Reflexionsgrad erhöhen grundsätzlich den Beleuchtungswirkungsgrad. Dies gilt auch für die Fenster, die nur einen Reflexionsgrad von etwa 10% haben. Helle Vorhänge können diesen auf 50% erhöhen. Aber auch dunkle Decken, Wände und Möbel absorbieren viel Licht und erfordern daher für die gleiche Beleuchtungsstärke höhere Lichtströme.

Dies gilt insbesondere in kompakten Räumen und engen Korridoren. Hier muss selbst das Licht rein direkt strahlender Leuchten zu einem großen Anteil - teilweise mehrfach - reflektiert werden, bis es die Nutzfläche erreicht.

Den Proportionen des Raumes wird in der lichttechnischen Planung durch den Raumindex k Rechnung getragen, der die geometrischen Verhältnisse des Raumes in der folgenden Form beschreibt (siehe auch Kapitel , „Beleuchtungsplanung” und Kapitel 2.1.3.5 „Lichtstrom-Klassifizierung von Leuchten und Wirkungsgradverfahren”).

Bei Geometrien mit kleinem Raumindex beeinflussen die Reflexionsgrade der Begrenzungsflächen den Energieverbrauch für die Beleuchtung also in besonderem Maße. Das bedeutet mehr Lampen, Leuchten und mehr Energie.

Abbildung 1.58: Berechnungsparameter für den Raumindex k:
a  Raumlänge in m
b  Raumbreite in m
h  = H - lp - e, Lichtpunkthöhe in m
H  Raumhöhe in m
lp  Pendellänge bzw. Abhängung der Leuchte von der Decke in m
e  Höhe der Bewertungsebene über dem Boden, z.B. im Büro 0,75 m