Überschlägige Planung mit dem Wirkungsgradverfahren

Abbildung 1.78: Lichtrechner zur überschlägigen Ermittlung der Leuchtenanzahl im Raum

Bis in die frühen 2000er Jahre haben die Leuchtenhersteller in den technischen Dokumentationen ihrer Produkte die Lichtstromklassifizierungen gemäß den unterschiedlichen, anwendbaren Wirkungsgradverfahren angegeben (siehe auch Kapitel 2.1.3.5). Diese Angaben reichten aus, damit eine Planung einer Allgemeinbeleuchtung in der Nutzebene unter Anwendung des in der betreffenden Norm beschriebenen Berechnungsverfahrens möglich war.

Zusätzlich zur Klassifizierung haben die Hersteller in der Regel leuchtenspezifische Zwischenergebnisse des Berechnungsverfahrens in Tabellenform oder Diagrammen veröffentlicht. Insbesondere dienten diese zur schnelleren Ermittlung der benötigten Anzahl von Leuchten einer Bauform zur Erreichung einer geforderten Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit der Beleuchtung in Abhängigkeit der vorliegenden Raumeigenschaften.

Die unterschiedlichen Klassifizierungssysteme und Berechnungsverfahren führten dabei zu leicht unterschiedlichen Berechnungsergebnissen. So Konnte es sein, dass auch bei Anwendung der einheitlichen europäischen  Beleuchtungsnorm EN 12464 unterschiedliche Leuchtenanordnungen in den europäischen Ländern empfohlen wurden.

Im Jahr 2004 erschien die EN 13032. Diese beschreibt ein vereinheitlichtes, europäisches Wirkungsgradverfahren. Die zugehörige Klassifizierung der Leuchten berücksichtigt den genauen, prozentualen Lichtstrom-Anteil jedes Raumwinkelbereiches, sowie die Interflexion an den Raumbergrenzungsflächen. Das Berechnungsverfahren ist im Anhang A der oben genannten Norm beschrieben.

Alle Wirkungsgradverfahren unterliegen gewissen Einschränkungen in ihrer Genauigkeit gegenüber der sogenannten photometrischen Planung (mit Relux, DIALux oder anderer Software). Sie werden heute hauptsächlich für die Ermittlung von Leuchtenanzahlen für Kaufmännische Angebote genutzt, so auch für die überschlägige Schnellermittlung der Anzahl der Leuchten im Raum innerhalb des DIALux- bzw. Relux-Programms. Häufig ist für den erfahrenen Lichtplaner absehbar, dass die nach dem Wirkungsgradverfahren ermittelte Leuchtenanzahl höher ist, als die mit einer optimierten, photometrischen Planung ermittelte (siehe nächster Abschnitt), so dass angenommen werden Kann, dass der überschlägig mit dem Wirkungsgradverfahren gesteckte Investitionsrahmen eingehalten wird.

Das europäische Wirkungsgradverfahren hat auch bei im Lichtrechner des Online-Produkt-Kataloges Anwendung gefunden (siehe Abbildung 1.78). Auch dieser dient nur zur Bestimmung der Leuchtenanzahl. Weitere Aspekte der lichttechnischen Wirkung der Leuchten, wie z. B. die Entblendung und die geforderte Gleichmäßigkeit der Beleuchtung, Können im Lichtrechner nicht berücksichtigt werden. Die Bewertung der Eignung der betrachteten Leuchten für die angestrebte Beleuchtungsaufgabe obliegt demnach dem erfahrenen Anwender des Lichtrechners.