Zertifizierungsgrad in Europa

Der Anteil der zertifizierten Gebäude am Gesamtbestand bzw. dem aktuell in der Erstellung befindlichen  Bauvolumen ist in Europa sehr unterschiedlich. Abhängig ist dies in hohem Maße u. a. von der Bekanntheit und Akzeptanz der Zertifizierungssysteme, insbesondere im Vergleich zu alternativen Bewertungskriterien, und von der Möglichkeit staatlicher Förderungen auf Grundlage der erteilten Zertifizierung.

In der Schweiz, wo eine Förderung auf Grundlage des MINERGIE-Standards (siehe unten) möglich ist, ist der Grad der Zertifizierung relativ hoch. In Frankreich ist insbesondere der Grad der HQE-Zertifizierung von Wohngebäuden relativ hoch. In Großbritannien ist die BREEAM-Zertifizierung gut etabliert.

In Deutschland bestehen für den Neubau und die Sanierung von Gebäuden umfangreiche Regelungen, die sich weitgehend auf deutsche DIN-Normen oder europäische EN-Normen beziehen. Viele dieser Normen sind für den Neubau auf Grund von staatlichen Gesetzen und Verordnungen zwingend anzuwenden. Staatliche Förderungen als Sanierungsanreiz werden häufig für Einzelmaßnahmen, wie z. B. für behindertengerechte Barrierefreiheit oder den Einbruchschutz, auf Grundlage einer erweiterten Anwendung dieser Normen definiert.

Eine besondere Rolle spielt dabei immer noch die Energieeffizienz. Insbesondere bzgl. des Energiebedarfs von Nichtwohngebäuden liegt mit der DIN V 18599 (siehe Kapitel 1.3.5.9) ein detailliertes Berechnungsverfahren vor, das standardmäßig von Energieberatern eingesetzt wird. Es findet nicht nur in der durch die EnEV geforderte Energieausweis-Erstellung seine Anwendung. Es dient auch in hohem Maße als Grundlage für Fördermöglichkeiten durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die sich auf den Aspekt der Energieeffizienz beziehen.

Durch die Vielzahl dieser Möglichkeiten sind die Gebäude-Zertifizierungssysteme - selbst das deutsche DGNB-System - in der Wahrnehmung deutscher Bauherren relativ in den Hintergrund getreten. LEED-, BREEAM- und andere internationale Zertifizierungen (siehe unten) gibt es in Deutschland vor allem auf Grund interner Standards internationaler Konzerne.

Dennoch ist offenbar der Aspekt einer umfassenden Gesamtbeurteilung der Qualität des Gebäudes ein starkes Argument für eine Zertifizierung. Vor diesem Hintergrund lässt sich in der jüngeren Vergangenheit ein ansteigender Trend erkennen, der vor allem im Bereich der Investorengebäude - in Teilmärkten im zweistelligen Prozentbereich - klar zu verzeichnen ist.