WELL Building Standard

Das Zertifizierungsverfahren nach dem „WELL Building Standard” ist im Jahre 2013 in den USA entwickelt worden und stellt damit das jüngste Zertifizierungsverfahren dar, das sich derzeit auf dem Markt befindet.

Im Gegensatz zu den anderen hier aufgeführten Zertifizierungen, die ihren Ursprung in ökologischen Anforderungen haben und im Rahmen der Weiterentwicklung Verfahrens um weitere Aspekte der Nachhaltigkeit ergänzt wurden, bezieht sich das WELL Building System primär auf die Nutzungsqualität des betrachteten Gebäudes. Dabei ist es die Gesundheitsförderung, bzw. die gesundheitliche Verträglichkeit, die die hier getroffene Definition der Nachhaltigkeit dominiert. Die Energieeinsparung spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Eine Dynamik der Beleuchtung, z. B. durch einen automatisierten tageszeitlichen Verlauf, wird im WELL-Standard nicht definiert. Ihre Umsetzung ist jedoch naheliegend (siehe Kapitel 1.3.3.6), insbesondere in Bereichen, in denen ein Lichtmanagement zum Zweck der Energieeinsparung ohnehin gefordert ist.

Wie viele andere Zertifizierungssysteme beruht auch WELL auf einem Punkte-System, das eine Klassifizierung bis zum Prädikat „Platin” ermöglicht. Die zu berücksichtigenden Kriterien sind hier:

  • Air (Raumluft)

  • Water (Wasser)

  • Nourishment (Ernährung)

  • Light (Licht)

  • Fitness

  • Comfort (Behaglichkeit)

  • Mind (Psychisches Wohlbefinden.

Auffällig ist, dass die Verbesserung des subjektiven Befindens des einzelnen Nutzers im Fokus steht. Dazu werden objektivierbare Kriterien herangezogen, von denen einige in Europa bereits auf Grund geltender gesetzlicher Bestimmungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes gefordert sind. Darüber hinaus betreffen die Forderungen aber nicht nur die immobile Gebäudeausstattung, sondern im Falle des Punktes „Nourishment” sogar Verbrauchsgüter. So dürfen gemäß den Anforderungen des WELL-Standards z. B. Getränke maximal 30 Gramm Zucker pro Flasche oder Dose enthalten, um in den betreffenden Gebäuden zum Konsum angeboten werden zu dürfen.

In Bezug auf das Licht, sind es auch hier nicht die verwendeten Komponenten - also z. B. die Leuchten - die bewertet werden, sondern die Wirkung der erzielten Beleuchtungssituation. Dem entsprechend kann es, wie auch beim LEED- oder DGNB-Zertifizierungssystem, keine zertifizierten Produkte geben, sondern nur Konzepte, welche mit geeigneten Komponenten umgesetzt sind und die Bewertungskriterien des WELL-Standards unterstützen.

Wichtige Aspekte Aspekte der Beleuchtung sind

  • die Vermeidung von Blendung,

  • eine ausgewogene Umfeldbeleuchtung,

  • die Unterstützung des circadianes Rhythmus und

  • eine geeignete Automatisierung der Beleuchtung.

Die Anforderungen an Blendungsbegrenzung und Umfeldbeleuchtung sind mit der Einhaltung der Norm EN  12464-1 erfüllt.

Zur Unterstützung des circadianen Rhythmus werden in Abhängigkeit der im Raum zu verrichtenden Tätigkeit unterschiedlich hohe vertikale, melanopisch wirksame Beleuchtungsstärken im Gesichtsfeld gefordert (siehe Tabelle).

Tabelle 1.43: Geforderte melanopisch wirksame Beleuchtungsstärken (EML: Equivalent Melanopoic Lux) gemäß WELL Building Standard

Eine Dynamik der Beleuchtung, z. B. durch einen automatisierten tageszeitlichen Verlauf, wird im WELL-Standard nicht definiert. Ihre Umsetzung ist jedoch naheliegend (siehe Kapitel 1.3.3.6), insbesondere in Bereichen, in denen ein Lichtmanagement zum Zweck der Energieeinsparung ohnehin gefordert ist.