Energieeinsparverordnung (EnEV)

Beispiel für den Energieausweis eines Gebäudes

Zur Umsetzung der EPBD (siehe Kapitel) ist in Deutschland das Energieeinspargesetz erlassen worden. Dieses verweist bzgl. konkreter, technischer Anforderungen auf die Energieeinsparverordnung, die derzeit in der Version EnEV 2014 vorliegt, welche seit dem 01.05.2014 gültig ist.

Die EnEV 2014 nutzt zur Festlegung der Mindestanforderungen an die Energieeffiizienz eines Gebäudes ein sogenanntes Referenzwertverfahren, mit dem der maximal zulässige Gesamt-Energiebedarf des Gebäudes bestimmt wird. Der Energiebedarf eines Gebäudes ist in diesem Zusammenhang keine Messgröße, sondern eine theoretische Größe, die nach einem festgelegten Berechnungsverfahren zu ermitteln ist. Die Gründe für eine solche Vorgehensweise sind im Wesentlichen:

  • Theoretische Bedarfswerte können vor der Inbetriebnahme des Gebäudes und somit auch vor der Baugenehmigung ermittelt werden (siehe unten).

  • Bei dem Berechnungsverfahren werden in der Norm festgelegte Randbedingungen für den Betrieb des Gebäudes unterstellt, u. a. sogenannte Nutzerprofile. Individuell unterschiedliche Verhaltensweisen der Nutzer beeinflussen die Bewertung nicht.

  • Durch die Eliminierung der Nutzereinflüsse besteht eine hohe Vergleichbarkeit der Wirksamkeit der eingesetzten Technologien.

Bei der Berechnung des Energiebedarfs wird zwischen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden unterschieden. Für Nichtwohngebäude ist das Berechnungsverfahren in der Vornorm DIN V 18599 (siehe Kapitel 1.3.5.9) vollständig beschrieben.

Der Gesamt-Energiebedarf für Nichtwohngebäude ergibt sich aus der Summe der Energiebedarfe aller haustechnischen Anlagen für

  • Heizung,

  • Warmwasser,

  • Eingebaute Beleuchtung,

  • Lüftung,

  • Kühlung einschl. Befeuchtung.

Für elektrischen Strom wird ab dem 01.01.2016 ein Primärenergiefaktor (*) von 1,8 für die Stromerzeugung angesetzt. Dies bedeutet, dass die Menge der verbrauchten elektrischen Energie mit diesem Faktor multipliziert wird, um die Verluste der Stromerzeugung zu berücksichtigen.

Das entworfene Gebäude wird mit einer Software, in der die Rechenverfahren der DIN V 18599 implementiert sind, erstellt. Dieses Gebäude wird nun komplett mit den Baustoffen und den Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung in der Ausführung der in der EnEV definierten Referenztechnologie bestückt. Der mit der Referenztechnologie errechnete Wert ist nun der Referenzwert des Energiebedarfs.

Auszug aus einem Energieausweis eines Nichtwohngebäudes.
Hinweis:
- Bewertet wird der Primärenergiebedarf.
- Primärenergiefaktor für Strom : 1.8
- Ein Gewerk ist die eingebaute Beleuchtung.

Für die Ausstellung eines Energieausweises werden nun Vergleichsberechnungen durchgeführt. Der zunächst bestimmte Referenzwert des Energiebedarfs darf, über alle Gewerke betrachtet, nicht überschritten werden, wenn das Gebäude anschließend mit den tatsächlich geplanten Komponenten berechnet wird. Dies ist Voraussetzung für die Baugenehmigung eines Gebäudes.

Liegen dem Aussteller des Energieausweises zum Zeitpunkt der Erstellung des Energieausweises nicht alle detaillierteren Informationen vor, so kann er an betreffender Stelle die Referenztechnologie einsetzen. Dies ist in Bezug auf die Beleuchtung meistens der Fall, da die Entscheidung für ein konkretes Beleuchtungssystem erst im Rahmen der Elektroplanung fällt, die in der Regel erst nach der Baugenehmigung erstellt wird.

Bei Inkrafttreten der EnEV 2014 hatte der Primärenergiefaktor einen Wert von 2,4. Anpassungen erfolgen auf Grund des zunehmenden Anteils erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung.